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Busfahrt durch den Kaukasus - Teil 4: Telawi


TELAWI

Denkmal Irakli II Von Tblissi aus hat uns unser Bus 155 km nordöstlich nach Telawi gebracht. Hier empfang uns auf einer kleinen Anhöhe das Denkmal von Irakli II., einer bedeutenden Persönlichkeit Georgiens und des Kachelischen Reiches (16. - 18 Jhd.), dessen Hauptstadt Telawi im Mittelalter war. Sie ist in der Gegenwart das Verwaltungszentrum Kacheliens, des georgischen Weinbaugebietes, welches die in der ganzen Welt bekannten Sorten wie Mukosani, Gurdshaani, Achmeta, Zinandali und weitere der besten georgischen Weine liefert. Blick über die Stadt Ihren Namen verdanken die Weine den kleinen umliegenden Ortschaften, wo sie angebaut werden; und das nur hier! Ganz oben auf dem Hügel befand sich das 13-geschossige Hotel, von dessen Zimmern aus man einen herrlichen Blick über die Stadt und die Landschaft haben konnte. Doch so schön der Überblick auch war, die Ankunft war mit vielen Problemen verbunden, da das Haus einer Vollrekonstruktion unterzogen wurde. Ein Erdbeben hatte für Mängel im und am Haus gesorgt. Die unteren 5 Etagen waren bereits wieder hergerichtet - alles darüber gehörte noch den Handwerkern. Und so kam es dann doch vor, daß das eine oder andere Zimmer nochmals getauscht werden mußte, weil irgend etwas nicht funktionierte. Der Clou dabei war eine vollends fehlende Toilette in einem der Zimmer; das Rohr blickte den Gästen ohne Becken ins Gesicht. Diese bekamen dann ein Zimmer in der neunten Etage, welches bereits in Ordnung war, wo sie ganz allein getrennt von der Gruppe die vier Tage verbrachten. Es war Pfingsten 1983 und auch dieses Örtchen ließ sich die Feiertagsruhe nicht nehmen. Im Hotel gab es eine kleine enge Kellerbar - für die Größe des Hotels wirklich schon zu klein. Die einzigen Plätze, die noch zu haben waren, befanden sich am Tresen in zweiter Reihe.
Historisch-Ethnografisches Museum Regierungsgebäude ehem. Herrscherpalast
Der Raum war L-förmig und die Decke als Gewölbe ausgebildet. In einem der L-Schenkel stand ein länglicher Tisch, an dem verschiedene Personen saßen, welche schon ein wenig müde aussahen und immer wieder zum Toast mit sto grammov Wodka ansetzen. Im Fusellicht sahen wir dann auch Personen aus unserer Gruppe dabei sitzen und gingen hin, um zu fragen, um was es ging. Mein Kumpel und ich setzen uns nach einer Aufforderung hinzu und bekamen dann ebenfalls einen Wodka nach dem andern gereicht, den wir trinken sollte.
Palast-Eingang Seitenblicke
Im Gespräch mit den Einheimischen erfuhren wir, daß es sich um eine Totenfeier für die Seelen der bei einem Autounfall gestorbenen Angehörigen handelte. Mit dabei in dieser Runde war der Unfallarzt und der Polizist, der den Unfall aufgenmommen hatte und, sichtlich vom Wodka gezeichnet, bereits ein Nickerchen hielt und nur noch mit Mühe das Glas ab und zu an den Mund bekam. So nahm dann der Abend seinen feucht-fröhlichen Verlauf. Außer dem einen Glas Kognak an der Bar haben wir keinen weiteren Rubel ausgeben müssen, um stark angetrunken ins Bett zu fallen.

Am folgenden Tag hatten wir gerade einen der Ausflüge hinter uns gebracht - es war gegen 15.00 Uhr - als uns plötzlich drei junge Männer ansprachen. Wir erkannten in ihnen diejenigen wieder, welche abends zuvor noch mit am Tisch in der Bar saßen. Sie sagten nur: "Kommt mit ins Restaurant auf eine Flasche Sekt!" Doch noch gezeichnet vom Vorabend wollten wir ablehnen, was jedoch nicht gelang. Ich frage mich nur, was für Leber diese Leute haben mußten, um wieder so fit zu sein und weiter trinken zu wollen. Also gingen wir mit. Als die Kellnerin dann 5 Flaschen Sekt auf den Tisch stellten, wurde uns bereits im Vorfeld übel. "Wieso fünf Flaschen?" fragte mein Kumpel. "Jeder eine - normalny!" kam als Antwort. Wir fanden es dann wohl nicht ganz als normal; aber was blieb und übrig. Straße nach Zinandali Und dabei war für den Abend noch Weinverkostung angesagt. Doch der Höhepunkt kam eine halbe Stunde später, als noch zwei weitere Freunde sich an unseren Tisch hinzu setzen und weitere drei Sektflaschen den Tisch zierten. Inzwischen wurde an den Nebentischen unser Abendbrot serviert und die Reisegruppe schaute auf uns beiden "Säufer". Viel Appetit hatte ich schon jetzt nicht mehr, was ja auch verständlich war. Nur mit Mühe konnten wir zur Reisegruppe zurück.

20.00 Uhr begann dann die Weinverkostung in einem anderen Kellergewölbe des Hotels. Es war sehr kühl und feucht, so daß Decken aus den Zimmern geholt wurden, um sitzen zu können. Doch meinem schweren Kopf schien dies gut zu tun, denn der Nebel verflog langsam ein wenig, der mir die Augen verschleierte. Mit der nötigen Portion Alkohol im Blut entwickelten wir beide uns zu wahren Entertainern. Frank, mein Begleider stimmte Stimmungslieder an und ich imitierte Luis Amstrong - weißes Taschentuch an die Stirn gehalten und den Bass aus dem Kehlkopf gebrummt.
Doch der ruhige Ort hatte noch ein Kleinod zu bieten. Unterhalb des Hotelhügel war ein Flachbau dessen Ansicht eine ca. 10-12 Meter breite, halbrunde Fensterfront den Blick zu einer Reihe großer Weihnfässer freigab. Nachdem man durch die Tür eintrat, befand sich gleich rechts des gefliesten Foyers eine Kasse. Für 50 Kopeken (damals umgerechnet etwas 1,50 DM) bekam man ein 0,2 l Glas. Mit diesem ging man dann zwei Stufen nach unten in Richtung der Fässer, wo sich in etwas Kniehöhe eine Art Theke befand. Einen Meter tiefer war der Arbeitsbereich eines Weinabfüllers. Auf eines der Fässer gezeigt, nahm er unser Glas und füllte es mit dem gewünschten Wein voll. Wollten wir ein weiteres Glas Wein haben, mußten wir wieder zur Kasse und erneut ein frisches Glas kaufen, da alle Gläser nur einmal gefüllt werden durften. Die Weine waren für die äußerlichen Temperaturverhältnisse genau der richtige Durstlöcher, denn man merkte ihnen werder Alkoholgehalt an, noch waren sie zu süß. Erst beim Verlassen des Weinhauses zeigte sich die Wirkung. Ich hoffe, ich werde nun nicht als notorische Trinker abgetan. Und wähend der Reise waren andere Elebnisse wichtiger. Doch im Urlaub ist man oft lockerer als Zuhause.


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